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Randnotizen

Im Jahr 2008 notierte ich mir Folgendes:

„Warum geht bei uns so viel schief?“

Diese Frage sticht mir ins Herz, denn sie kommt aus dem Mund einer knapp Elfjährigen mit kugelrunden braunen Augen. Und es ist die absolut richtige Frage zur absolut richtigen Zeit. Aber ich kann sie nicht beantworten, obwohl ich vor allem Kindern gegenüber höchst ungern Antworten schuldig bleibe.

Ich gebe wieder meine alljährlichen Textverarbeitungskurse für die Fünftklässler des Gymnasiums und der Förderstufe. Die Schule schafft sich damit auf jeden Fall ein Aushängeschild, auf das sie Wert legt. Die Kinder und ich haben pro Gruppe nur zwei Doppelstunden Zeit, ein empfindliches Konstrukt, das keine Störungen verträgt.

Es gibt zwei EDV-Räume. Der eine davon ist ideal: höhenverstellbare Stühle, siebzehn Arbeitsplätze an PC-Inseln, um die die Kinder im Kreis sitzen, so dass fast jedes Kind problemlos zum Whiteboard sehen kann, auf das der Beamer den Bildschirm des Lehrer-PCs überträgt. In der ersten Doppelstunde werden Grundlagen gelegt. Ich zeige und erkläre etwas, die Kinder haben es gesehen und können es sofort selbst ausprobieren. In der zweiten Doppelstunde wenden wir an, was in der ersten gezeigt und probiert wurde. Und wir nehmen Neues hinzu, um am Ende einen Text anspruchsvoll gestaltet zu haben. Der wird ausgedruckt, damit die Kinder ihr Werk mit nach Hause nehmen können. So jedenfalls der Plan.

Es gibt einen zweiten EDV-Raum. Er ist in zwei Hälften geteilt, die durch eine Wand abgeteilt sind. Er ist vom alten Schlag: ein Sammelsurium an teilweise denkbar ungeeigneten Stühlen, nur sechs PC-Arbeitsplätze in der Raumhälfte, in der der Beamer steht. In der anderen Hälfte stehen sieben Computer zur Verfügung. Aber ohne Blick aufs Whiteboard. Als Lehrer habe ich kaum die Möglichkeit, siebzehn Kinder in einem zweigeteilten Klassenraum gleichzeitig etwas zu erklären, geschweige denn, allen etwas zu zeigen. Die Software-Ausstattung ist zudem nicht so, wie ich sie bräuchte. Immer wieder kommt es zu Konflikten in der Raumbelegung. Und im Zweifel ist es die externe Lehrkraft, die weichen muss.

Wäre mir das persönlich ziemlich gleichgültig, so kann es mir genau das im Hinblick auf die Kinder nicht sein. Wenn siebzehn Staubsauger vor dir sitzen, aufgeregt und wissbegierig, haben sie das Recht etwas Aufregendes kennen zu lernen. Unter den bestmöglichen Bedingungen. Kinder, die sich mit dem Gesicht zur Wand zu dritt oder zu viert vor einem Bildschirm drängen müssen, sind Randnotizen. Die Lehrkraft im Rücken der Schüler ist nicht einmal mehr das.

Ich möchte Gesichter sehen, keine Rücken. Gesichter sind die Seelen der Menschen. Fragen, die die Seele stellt, kann man sehen. Längst bevor der Mund weiß, dass er sie stellen wird.
Warum, so frage ich mich immer wieder, sind so einfache Dinge so schwer zu verstehen.

Heute, wieder anlässlich eines EDV-Kurses für Kinder und Jugendliche, sehe ich das, was im Titelfoto abgebildet ist. Vieles ist inzwischen anders und besser geworden. Aber ich frage mich: Ist es nicht das Selbstverständlichste der Welt, dass wir unseren Kindern bestmöglich ausgestattete Schulen zur Verfügung stellen? Warum müssen Schulen sich dafür auch noch werbewirksam bedanken?

 

 Titelfoto: KT Brandstetter

 

2 Kommentare

  1. Rüdiger Miksch Rüdiger Miksch

    Hallo, ich finde die Kursivschrift lässt sich sehr schwer lesen. Vielleicht lässt sich das ändern. Gruß Rüdiger

    • ktb_180307 ktb_180307

      Hallo Rüdiger, danke für den Hinweis. Da muss ich dann wahrscheinlich auf einen ganz anderen Schrifttyp gehen, da ich auf die Kursivdarstellung nicht verzichten will. Ich werde experimentieren.
      Gruß, Klaus

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