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Der neue Noah

Milliardäre – zumindest manche – sind wie Kinder. Sie haben alles und was sie nicht haben, können sie sich über kurz oder lang einfach kaufen. Was machen Kinder, wenn das Spielzeug, das sie grade noch in den Fingern hatten, langweilig wird oder gar kaputt geht? Sie lassen es fallen und wenden sich dem nächsten Objekt des Interesses zu.

Manche mögen sich jedoch auch Kraft der Geldmenge, über die sie verfügen, zu Höherem berufen fühlen. Bill Gates ist so einer. Und Elon Musk.

Man könnte Elon Musk, SpaceX-Gründer, PayPal-Mitgründer und Beteiligter bei Tesla, als Visionär bezeichnen. Tatsächlich läuft alles, was er angefasst hat, mehr oder weniger. Zumindest spült es ihm so viel Geld aufs Konto, dass er an immer neue Abenteuer denken kann. Und nicht nur denken. Wenn er nun verkündet, eine Exklave auf dem Mars gründen zu wollen, muss das insoweit ernst genommen werden, als die erste Rakete dieser Mission im kommenden Jahr starten soll. Und vielleicht sollte er sich seit der Bekanntgabe dieses ehrgeizigen Plans auf der Tech-Messe SXSW einen weiteren Vornamen zulegen. Wie wär’s mit Noah? Denn irgendwie erinnert vor allem seine Begründung doch sehr stark an die biblische Legende von der Arche Noah. Möglich, dass auch Musk eine göttliche Eingebung hatte, die ihn zur Rettung – ja, von was eigentlich? – berief.

Arche Noah

Wie uns das Buch Genesis erzählt, wurde Noah von Gott beauftragt, einen schwimmenden Kasten zu bauen, mit dem er sich, seine Familie und eine Reihe von Landtieren vor der kommenden, später so genannten Sintflut retten sollte. Der Kasten hatte, legt man die in Genesis 6,14 angegebenen Maße zugrunde, einen Bruttoraumgehalt von fast 40.000 Kubikmetern und eine Bodenfläche von rund 8.900 Quadratmetern. Ein solches Wasserfahrzeug hätte in etwa die gleiche Wasserverdrängung wie die Titanic sie hatte. Für damalige Verhältnisse darf die Arche Noah damit als ein wahrhaft visionäres Projekt angesehen werden.

Nun hatte Noah bei seinem Vorhaben göttliche Unterstützung – und vor allem: göttliche Weisung. Er musste also nicht mit seinem Gewissen ringen, wen er nicht an Bord nehmen und dadurch dem sicheren Tod überlassen solle. Die Sache war klar. Bei unserem modernen Noah namens Elon Musk sieht eben dieses Kapitel ein wenig anders aus. Er malt das – seien wir realistisch: gar nicht so undenkbare – Szenario eines 3. Weltkrieges an die Leinwand, das ihm als Rechtfertigung seiner Koloniengründung auf dem Mars dient. Die Menschheit zu retten, ist sein hehres Anliegen. Die Menschheit aber wird dereinst, wenn die technischen Voraussetzungen dafür gegeben sein sollten, aus einer ausgewählten Gruppe bestehen. Und mir fällt die Folge „Planet außer Kurs“ der TV-Serie „Raumpatrouille“ aus dem Jahr 1966 ein, in der es genau um diese Frage ging: Wer hat das Privileg, überleben zu dürfen – wenn es denn wirklich ein Privileg sein sollte? Wer entscheidet? Und auf welcher Grundlage?

Vom Saulus zum Paulus

Ich möchte die Antwort darauf dem Überlebensmeister Jens Spahn überlassen, stattdessen noch auf einen Aspekt hinweisen, den Herr Musk in seiner kindlichen Begeisterung möglicherweise übersehen hat. Wenn ein 3. Weltkrieg so umfassend würde, dass das Überleben des Menschengeschlechtes davon bedroht ist, wird es ein atomarer sein. Die Halbwertszeiten radioaktiver Stoffe belaufen sich, wie bekannt, teilweise auf sechstellige Jahressummen. An eine Rückkehr auf diesen Planeten wird dann in menschlicher Zeitrechnung kaum noch zu denken sein. Wir hätten unser Spielzeug Erde ein für allemal geschrottet.

Mag sein, dass dies die Bestimmung der Menschheit ist, zu beweisen, dass man einen wunderbaren Planeten unbewohnbar machen kann. Elon Musk jedenfalls hätte für seine Milliarden noch eine alternative, wenn auch weniger spektakuläre Anlagemöglichkeit. Er könnte sie in die Friedens- und Konfliktforschung stecken, er könnte – zusammen mit Bill Gates und Jeff Bezos vielleicht – eine weltweit agierende Friedensstiftung gründen, die sich der Probleme der Ressourcenverteilung, des ungezügelten Wettbewerbs und all seiner Folgen annimmt und unserer ohnmächtigen Politik zur Seite springt. Das wäre eine Möglichkeit zu zeigen, dass Reichtum auch sozialpflichtig ist, hätte allerdings die sprichwörtliche Wandlung vom Saulus zum Paulus zur Voraussetzung.

Man muss die Bibel nicht für Gottes Wort halten, um festzustellen, dass sie dennoch das Buch der Bücher ist. Es steht alles drin.


Titelfoto: Steintafel mit Taube und Olivenzweig (Gen 8,11 EU), Domitilla-Katakomben, RomVon Dnalor 01 – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=32603350

 

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