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Ah, da isser ja!

Überraschung! A spioniert bei B und C bei A. D schickt einen Virus zu B, legt Rechner lahm, Produktionsstrecken fallen aus, Unterlagen werden kopiert. Vielleicht wird es demnächst mal dunkel, weil ein E-Werk gehackt wurde, vielleicht fällt auch mal die Kühlung eines Kernkraftwerks oder eines nuklearen Endlagers aus. Am Ende eines jeden denkbaren Szenarios der dunklen Seite der Cyberwelt steht die immer gleiche Frage: Warum war das möglich?

Es ist eine dümmliche Frage. Dümmlich deshalb, weil alles möglich ist. Und das sogar immer. Diese Frage ist genauso dümmlich wie die ostinate Wiederholung der Behauptung „Dieses Netz ist sicher!“. Sie wird in die Welt geblasen, um etwa verunsicherte Kunden davon abzuhalten, das Vernetzen ihrer gesamten persönlichen Infrastruktur noch einmal zu überdenken. Stichwort: Smart Home. Natürlich im Endeffekt, um zu verhindern, dass die neuen, angeblich intelligenten Produkte zu Ladenhütern werden.

Ich bin ein regelmäßiger und – in Teilen – überzeugter Nutzer digitaler Technologien. Was ich jedoch dem Digital nicht überantworte, ist mein Verstand. Mag das auch die eine oder andere Unbequemlichkeit mit sich bringen. Das ist eine Frage der Definition. Wer einmal im Leben sein eigenes, gerade getätigtes Telefonat aufgrund eines technischen Fehlers noch einmal im noch nicht aufgelegten Hörer angehört hat, der weiß, was ich meine. Ist mir mal passiert. Und das ist schon viele Jahre her.

Die Technik ist besser geworden. Doch sie hat immer Schwachstellen. Und sie wird immer welche haben. Teils systembedingt – man will ja kommunizieren, also muss wenigstens ein Kanal offen bleiben -, teils durch Fehler, die uns Menschen nun einmal unterlaufen.

Und wer sich über das Spionieren aufregt, sollte die Maxime bedenken, unter die wir unser gesamtes Wirtschaftsgebahren gestellt haben: Konkurrenz belebt das Geschäft. Und so kommt es, dass die USA das Handy der Bundeskanzlerin angezapft haben (worüber man sich, jedenfalls öffentlich, bei Weitem nicht so aufgeregt hat) und das womöglich noch immer tun. Und so kommt es, dass Russland sich für europäische Belange gerade in den Bereichen interessiert, die wir für uns behalten wollen. So kommt es aber auch, dass deutsche Nachrichtendienste über Russland mehr wissen, als öffentlich bekannt ist. Und je mehr Amerika seine Mauern hochzieht, desto interessanter wird dieses Land auch für unsere Geheimdienstler.

Solange die Staatengebilde dieser Erde und ihre Einwohner nicht begreifen, dass es eigentlich höchste Zeit wäre, mit offenen Visieren zu kooperieren, anstatt die Auflösung widerstreitender Interessen in einem verderblichen Konkurrenzkampf zu suchen, solange dürfen wir spätestens seit etwa 2014 sagen: Ah, da isser ja, der Cyberwar!

Und der Klarheit halber zum Schluss ein Imperativ: Sicherheit gibt es nicht. Absolute schon gar nicht.

 

Foto: KT Brandstetter, 2015

 

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